Currently viewing the category: "Ökologie"

Kaum jemand geht in den USA und auch bei uns darauf ein, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem menschengemachten Klimawandel, also der Erwärmung der Erde, und den sich häufenden großen Naturkatastrophen gibt.
Auch die großen Hurrikans, die immer wieder und öfter die Küsten der USA heimsuchen, sind damit menschengemacht und nicht einfach Naturphänomene, für das man nichts kann.

In einem Gastbeitrag bei Zeit-Online behandelt Mark Hertsgaard das Problem.

Hier gibt es den Text:

Big Oil nimmt Amerika in Geiselhaft
Die Ölkonzerne verschleiern den Klimawandel. Sie haben längst das Sagen in Washington. Das hat gefährliche Folgen, wie Wirbelsturm Sandy zeigt.

  1. VON: Mark Hertsgaard
  2. 01.11.2012 – 07:07 Uhr

Noch nie hat ein Hurrikan einen so treffenden Namen getragen wie der Wirbelsturm, der jüngst New York und die Ostküste heimgesucht hat: Sandy. Sandy ist die Abkürzung von Kassandra, der griechischen Sagen-Figur. Die Götter gaben Kassandra seherische Fähigkeiten. Doch diese Gabe war ein Fluch. Kassandras Vorhersagen wurden regelmäßig ignoriert. Genau das ist das Wesen der Tragödie: Man weiß, dass bestimmte Handlungen zu einer Katastrophe führen – und macht sie trotzdem.
Genau das passiert zurzeit in den USA. Seit mehr als zwanzig Jahren warnen Wissenschaftler davor, dass der Klimawandel immer öfter zu extremen Wetterereignissen führen wird. In diesem Jahr erlebten die USA den heißesten Sommer überhaupt und die schlimmste Dürre seit fünfzig Jahren. Mega-Stürme wie Sandy werden noch häufiger die Ostküste heimsuchen.
Doch die Warnungen der Wissenschaftler werden ignoriert – zumindest in Washington. Selbst nach der Verwüstung von New York ist unklar, ob Amerika jetzt endlich aufwacht und ernsthaft etwas unternimmt.
Es gibt erste Hoffnungsschimmer: Den Anstieg des Meeresspiegels zu mindern, würde doch ganz sinnvoll klingen, wenn man sich die Folgen von Sandy anschauen würde, sagte am Dienstag Ex-Präsident Bill Clinton. Er ist damit das erste politische Schwergewicht, das explizit eine Verbindung zwischen Sandy und Klimawandel zieht.
Auch New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo redete Präsident Obama ins Gewissen. “Jedes zweite Jahr haben wir inzwischen eine Jahrhundertflut”, sagte er nach dem Wirbelsturm, “jeder der glaubt, die Wettermodelle ändern sich gerade nicht dramatisch, verleugnet die Realität.”
Obama dagegen schweigt. Ebenso sein Herausforderer Mitt Romney. Zum ersten Mal seit 1984 spielt das Thema Klimawandel keine Rolle während der TV-Duelle der Kandidaten. Und was sagt Obama in einem MTV-Interview, als er darauf angesprochen wird? Ja, das hätte ihn auch “überrascht” – so, als ob er nichts dafür könnte. Er ist ja nur Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Interessanterweise fand er aber genug Zeit, über rekordverdächtige Ölfördermengen und neue Pipelines zu reden.
Auch in den Medien spielt das Thema Klimawandel keine Rolle. Die Medien tun es als drittklassig ab. Es sei ein Nischenthema, das nur für ein paar einsame Umweltschützer interessant sei. Am Ende würden doch Wirtschaftsthemen die Menschen stärker interessieren, so eine CNN- Moderatorin nach einem TV-Duell der Präsidentschaftskandidaten.
Das sollte man der Versicherungsbranche sagen, die nach Sandy Schäden in Höhe von mindestens 20 Milliarden Dollar stemmen muss. Oder den amerikanischen Steuerzahlern, die sich auf zusätzliche zehn bis zwölf Milliarden Dollar einstellen müssen, weil Werte unversichert waren.
Dieser Betrag entspricht etwa den Subventionen für die Öl-, Gas und Kohleindustrie, die nicht nur den Klimawandel verantwortet, sondern auch verhindert, dass die Politik aktiv wird. “Wie wäre es, wenn wir unser Geld nicht dafür verwenden, den Klimawandel weiter anzuheizen, sondern zukünftige Naturkatastrophen verhindern”, sagt Steve Kretzmann von der Organisation Oil Change International.
Und am Ende sollte man das zu Valerie Baumler sagen, die ihren 11-Jährigen Sohn Jack durch Sandy verloren hat.
“Wenn es irgendeine Gerechtigkeit in der Poesie gibt, dann sollte dieser Wirbelsturm Hurrikan Chevron oder Hurrikan Exxon heißen, nicht Hurrikan Sandy,” sagt Bill McKibben, Gründer der Klimaschutz-Organisation 350.org. Chevron, Exxon-Mobil und andere Ölkonzerne haben gezielt Desinformationskampagnen finanziert. Sie haben es geschafft, dass die USA die weltweit einzige Industrienation sind, die noch immer ernsthaft den wissenschaftlichen Konsens bezweifelt, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Big Oil sorgt dafür, dass solche Naturkatastrophen wahrscheinlicher werden – und tödlichere Folgen haben.
Aber das muss nicht so kommen. Es gibt Lösungen – und es gibt sie schon heute: Wir können die Energieeffizienz radikal steigern. Wir können schneller auf Solar, Wind und andere alternative Energien umsteigen. Wir können die klimaschädlichen Subventionen streichen. Das alles würde einen Aufschwung für unsere Wirtschaft bedeuten. Wir würden dafür sorgen, dass die besten Talente Amerikas zusammenkommen.
Die Herausforderung ist nicht technischer Art – wenn sie das überhaupt jemals war. Sie ist politischer und natürlich, am Ende, wirtschaftlicher Art. De facto hatBig Oil ein Veto-Recht in der US-Politik. Seit mehr als zwanzig Jahren wissen wir, wie man den Klimawandel bekämpft: Man verbrennt weniger Öl, Gas und Kohle.
Aber davon will Big Oil nichts hören. Bevor man auf die Förderung des letzten Tropfen Öls verzichte, so sagte es kürzlich Exxon-Mobil-Chef Rex Tillerson, würde man lieber die wichtigsten Anbauflächen Amerikas, den Farm Belt, verlagern.
Wie lange noch darf Big Oil die amerikanische Regierung in Geiselhaft nehmen? Wie lange noch haben Exxon-Mobils Geschäftspläne das Sagen – und nicht das Wohl unsere Kinder? Keiner der Präsidentschaftskandidaten klingt sehr inspiriert. Obama will wenigstens über das Thema reden, er unterstützt zumindest das Aus für steuerfinanzierte Subventionen für Ölkonzerne. Romney dagegen denkt sogar, dass bislang Washington Big Oil noch nicht genug unterstützt hat.
Kein Präsident kann sich erfolgreich Big Oil in den Weg stellen. Es sei denn, er hat die Unterstützung einer aktiven Bürgerbewegung. Vielleicht kann Hurrikan Sandy zum Aufbau einer solchen Bewegung beitragen. Damit Amerika am Ende doch noch auf die Kassandra-Rufe hört.

  1. QUELLE: ZEIT ONLINE
  2. ADRESSE: http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-10/gastbeitrag-hertsgaard/komplettansicht
 

Info ARD: „Für viele sind sie Symbol von Freiheit und Lebenslust – die Blue Jeans sind mit das beliebteste Kleidungsstück Deutschlands, quer durch die Generationen. Ob als stylishes Luxusprodukt für ein paar hundert Euro oder als billige Freizeitkluft vom Discounter, die Jeans transportiert ein lockeres Lebensgefühl mit einem Hauch vom “American way of life”. Dabei kommen die Baumwollhosen schon längst nicht mehr aus Amerika, die meisten werden inzwischen in China produziert.“

Sehenswerte Reportage, die aber nur noch 5 Tage im Netz sein wird.

 

Elmar Altvater und Raul Zelik haben 10 Thesen zum modernen Kapitalismus in ihrem Buch “Vermessung der Welt” und auf der dazugehörigen Website zur Diskussion gestellt […hier]
>>> Pdf-Download des ganzen Buches […hier]

 

Hier sind die Thesen im Wortlaut:

1) Die Krise zeigt, dass der Kapitalismus keineswegs so effizient ist, wie stets behauptet wird. In vieler Hinsicht erweist sich der Kapitalismus sogar als das genaue Gegenteil von ‚Ökonomie’, also des Haushaltens. Reich kann man in der „freien Marktwirtschaft“ heute vor allem mit spekulativen Tätigkeiten werden, die der Gesellschaft keine Gebrauchswerte bescheren und die Umverteilung des Reichtums zugunsten von Eliten forcieren. Zudem beschleunigt der Kapitalismus die Vergeudung begrenzter Ressourcen. Jeder weiß, dass Metalle, fossile Energieträger, Atmosphäre oder Trinkwasser nur beschränkt zur Verfügung stehen. Trotzdem muss der Kapitalismus, dessen monetäre Akkumulation schrankenlos ist, den Güterausstoß – und damit indirekt auch Ressourcenverbrauch – ständig weiter erhöhen und treibt die Menschheit damit in eine bedrohliche Sackgasse hinein.

2) Die Krise hat unter Beweis gestellt, dass das ‚Utopische’ möglich ist. Wer vor 18 Monaten vorausgesagt hätte, dass Industriestaaten Großbanken nationalisieren und innerhalb von wenigen Wochen eine Billion US-Dollar für Konjunkturprogramme mobilisieren, wäre als Spinner bezeichnet worden. Dass die reale Entwicklung dann eher einer autokratischen Phantasie entsprach und unvorstellbare Summen aus der Staatskasse verwendet wurden, um die private Bereicherung einer Minderheit auch in Zukunft zu gewährleisten, steht auf einem anderen Blatt. Als Erkenntnis bleibt immerhin: Eine andere Politik ist möglich, wenn man nur die notwendigen Kräfteverhältnisse dafür mobilisieren kann.

3) Wir haben es nicht nur mit einer Finanzkrise, sondern auch mit einer globalen Überproduktion, einem rasanten Klimawandel und wachsenden sozialen Gegensätzen zu tun. Diese grundlegenden Probleme werden mit einigen wenigen Korrekturen nicht zu bewältigen sein. Es gibt deshalb keine Alternative zu einer radikalen Transformation der Ökonomie. Über die allgemeinen Ziele einer solchen Transformation gibt es nicht viel zu streiten. Im Prinzip stellt jeder UN-Bericht fest, dass a) die Grundbedürfnisse der Menschen – Gesundheit, Ernährung, Wohnen und Bildung – gewährleistet, b) das Produktions- und Konsummodell den stofflichen Grenzen der Natur angepasst und c) die allgemeinen Demokratieversprechen eingelöst werden müssen.
Das Problem ist nun nicht, dass sich solche Ziele nicht konkret umsetzen ließen: Ein öffentlicher oder ‚kommunitärer’ Fernsehsender ermöglicht zweifellos mehr Demokratie als konzernfinanziertes Privatfernsehen. Gesundheit und Bildung stehen nur dann allen zur Verfügung, wenn sie von der Allgemeinheit finanziert werden usw. Das Problem ist jedoch, dass hier konkrete Interessen berührt werden. Die Eigentümer der Medienkonzerne haben selbstverständlich kein Interesse daran, Vermögen und politische Macht zu verlieren. Das privatisierte Gesundheitswesen garantiert dem Kapital gewaltige Renditechancen.
Das Problem eines linken Gegenentwurfs besteht also nicht darin, dass er unrealistisch wäre. Unrealistisch ist, so weiter zu machen wie bisher und um der Kapitalmehrung willen Natur und Menschen immer umfassender in Wert zu setzen. Das Problem des linken Gegenentwurfs ist, dass es hier um Macht geht.

4) Gesellschaftliche Gegenmacht entwickelt sich nicht auf dem Papier, sondern in konkreten Auseinandersetzungen. Ansatzpunkt hierfür gäbe es reichlich: Man könnte zum Beispiel dafür sorgen, dass – so wie es eine Bevölkerungsmehrheit wünscht – Gesundheit, Bildung, Trinkwasser und Energie wieder vom Gemeinwesen kontrolliert werden. Das heißt nicht, dass die im Rahmen neoliberaler Politik privatisierten Betriebe wieder in staatlichen oder kommunalem Besitz übergehen müssten. Aus demokratischer Perspektive interessanter und wahrscheinlich auch ökonomisch effizienter sind genossenschaftliche oder gemeinschaftliche Eigentumsformen. Im Gesundheitswesen könnte beispielsweise ein konkreter Schritt im Aufbau einer demokratisch – von Gesundheitsarbeitern und Patienten – verwalteten Bürgerversicherung bestehen, in die alle Menschen gemäß ihres Einkommens einzahlen.

5) Wir haben es heute nicht nur mit einem Armuts-, sondern auch mit einem Reichtumsproblem zu tun. Kapitalvermögen müssen sich nämlich immer neue Verwertungsmöglichkeiten suchen – deswegen das Drängen auf die Privatisierung öffentlicher Güter und die Erschließung von Naturreserven. Eine konsequente Rückkehr zur progressiven Einkommenssteuer, zur Unternehmens- und Vermögensbesteuerung (wie sie die rotgrüne Regierung zurückgefahren hat) würde deshalb nicht nur fiskal- und sozialpolitische Spielräume schaffen, sondern auch die Destruktivkräfte im Kapitalismus entschärfen.

6) Jedoch: „Nicht alles war schlecht im Kapitalismus“. Die Konkurrenz beispielsweise hat für einen ständigen Anstieg der Arbeitsproduktivität gesorgt. Die technische Entwicklung macht es möglich, dass heute mehr Güter mit weniger Arbeit hergestellt werden. Vor diesem Hintergrund ist die gewerkschaftliche Forderung „Arbeit, Arbeit, Arbeit“ ziemlich absurd. Es gilt vielmehr, den vorhandenen gesellschaftlichen Reichtum und die weiterhin notwendige Arbeit anders zu verteilen. Die Instrumente dafür sind seit Langem bekannt (und zum Beispiel in André Gorz’ „Kritik der ökonomischen Vernunft“ nachzulesen): Verringerung der Arbeitszeit, Grundeinkommen, Mindestlohn, faire Verteilung fremdbestimmter Tätigkeiten etc.

7) Vernünftige Gemeinwesen beruhen auf Demokratie und Kooperation. Es sollte deswegen auch in diese Richtung gestaltet werden. Der Staat muss jene Initiativen besonders fördern, in denen Arbeit und Produktion demokratisch und kooperativ organisiert sind. Das trifft auf Genossenschaften, aber auch auf das Phänomen der digitalen Commons, also der Gemeingüter, zu. Staatliche Politik sollte jene Vereine, Netz-Communitys oder Genossenschaften gezielt unterstützen, die – wie die Open-Source-Bewegung – Güter oder Leistungen in nicht-kommerzieller Kooperation produzieren und zur Verfügung stellen. In manchen Bereichen passiert das im Übrigen auch ständig – zum Beispiel, wenn nicht-gewinnorientierte Träger von Kindertagesstätten öffentliche Zuschüsse erhalten.

8 ) In einer stofflich begrenzten Welt kann es kein unbegrenztes Wachstum geben (es sei denn, wir konsumierten nur noch virtuell). Da Wachstum notwendige Voraussetzung der Kapitalvermehrung ist, wird dieses Grundproblem auf lange Sicht nur jenseits des Kapitalismus zu lösen sein. Doch die Einführung alternativer ökonomischer Kennziffern, die gesellschaftlichen Fortschritt nicht auf den Faktor Wachstum reduzieren, wäre immerhin ein erster Schritt, um neue Paradigmen des ‚Haushaltens’ sichtbar zu machen.

9) Aus dem fossilen Energiemodell folgern fast zwangsläufig (imperiale) Konflikte um die Sicherung von Rohstoffvorkommen. Deswegen ist es sowohl aus Umwelt- als auch aus politischen Gründen geboten, die Umstellung auf regenerative Energiequellen und ein dezentrales Energieversorgungsnetz voranzutreiben.

10) All diese Punkte sind mit der Eigentumsfrage verschränkt: Entscheidungs- und Herrschaftsstrukturen einer Gesellschaft haben immer auch mit Eigentumsformen zu tun (wobei es hier nicht um Eigentum am eigenen Wohnhaus oder am kleinen Handwerksbetrieb geht). Eine Gesellschaft, die auf Privateigentum von Produktionsgütern beruht, bringt enorme Reichtums- und Machtkonzentrationen hervor. Aber auch die auf Staatseigentum beruhenden Gesellschaften haben sich unfähig zur Demokratisierung erwiesen. Es muss also darum gehen, das gesellschaftliche Eigentum neu zu bestimmen und zu erfinden. Die Verwaltung von Eigentum muss in einem solchen, überschaubaren Rahmen stattfinden, dass Produzenten, Konsumenten und gesellschaftliche Akteure demokratisch über den Einsatz des Eigentums bestimmen können.
Diese Liste ist allgemein und von schneller Hand skizziert. Doch mit ihr sollte eines verdeutlicht werden: Der Gegenentwurf einer anderen – ökologischen, partizipativen, sozialen – Ökonomie ist vorhanden und vernünftig. Das Problem ist, dass ein solcher Weg nur beschritten werden kann, wenn sich auch gesellschaftliche Mehrheiten dafür formieren. Diese Mehrheiten jedoch werden stark von Meinungsführern beeinflusst, die als Teil der Machtstrukturen eben solche Transformationen um jeden Preis verhindern wollen.
Trotzdem wäre es Erfolg versprechend, wenn sich eine Linke auf konkrete Projekte gegen das Kapital verständigen würde: Zum Beispiel auf eine Durchsetzung von Mindestlohn und Grundeinkommen oder eben der Bürgerversicherung im Gesundheitswesen.

 

jenseits-des-wachstums 450

Pressemitteilung
Attac Deutschland
Berlin, 20. Mai 2011

 

SPERRFRIST: Freitag, 20. Mai, 15 Uhr

  • Großer Kongress “Jenseits des Wachstums?!” eröffnet
  • Vandana Shiva und Alberto Acosta kritisieren vorherrschendes
    Entwicklungsmodell

Mit mehr als 1500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist am Freitagnachmittag der Kongress “Jenseits des Wachstums?!” an der Technischen Universität in Berlin eröffnet worden. Bis Sonntag geht es in mehr als 70 Veranstaltungen um die Probleme der gegenwärtigen, vom Wachstumszwang dominierten Wirtschaft und Alternativen zu ihr. Im Mittelpunkt des Kongresses, den das globalisierungskritische Netzwerk Attac in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-, der Heinrich-Böll-, der Otto-Brenner- und der Rosa-Luxemburg-Stiftung ausrichtet, stehen Fragen wie: Was ist falsch an der gegenwärtigen Wachstumsökonomie? Ist ökologisches und soziales Wachstum möglich? Und wie könnte eine Gesellschaft ohne Wachstumszwang aussehen?

Vandana Shiva, indische Trägerin des Alternativen Nobelpreises, sagte zum Auftakt des Kongresses: “Die heutige Ökonomie ist losgelöst von ökologischen Prozessen und Grundbedürfnissen und steht in Widerspruch zu ihnen. Während die Zerstörung der Natur mit einer Verbesserung des menschlichen Wohlergehens gerechtfertigt wird, haben für die Mehrheit der Menschen Armut und Vertreibung von ihrem Besitz zugenommen. Während dieser Prozess nicht ökologisch nachhaltig ist, ist er auch ökonomisch ungerecht. Während er als ‘ökonomische Entwicklung’ angepriesen wird, führt er zu Unterentwicklung. Während er Wachstum schaffen soll, verursacht es lebensbedrohliche Zerstörung. Das vorherrschende Modell ‘wirtschaftlicher Entwicklung’ richtet sich gegen das Leben selbst.”

Alberto Acosta, der Vorsitzender der Verfassunggebenden Versammlung sowie Energieminister Ecuadors war, sprach über das Konzept des “Buen Vivir” (Gutes Leben), das eine zentrale Rolle in der Debatte um Alternativen zum vorherrschenden Wachstumsmodell. “Buen Vivir ist eine Möglichkeit, eine andere Gesellschaft zu schaffen, die auf dem Zusammenleben der Bürger in Vielfalt und Harmonie mit der Natur beruht und auf der Anerkennung der unterschiedlichen kulturellen Werte basiert, die in der Anden-Region und der Welt bestehen”, sagte Alberto Acosta. Dies stehe einer möglichen Modernisierung der Gesellschaft aber nicht entgegen, insbesondere dann nicht, wenn das Buen Vivir in den technologischen Fortschritt mit einbezogen werde. “Eine wesentliche Aufgabe liegt im fortlaufenden und konstruktiven Dialog des traditionellen Wissens mit dem neuesten universellen Gedankengut, der in einem fortwährenden Prozess der Entkolonialisierung der Gesellschaft dient.”

Manuskripte der Auftaktreden:

* Vandana Shiva: http://kurzlink.de/Auftakt_Shiva
* Alberto Acosta: http://kurzlink.de/Auftakt_Acosta

Kongress-Homepage mit Programm: www.jenseits-des-wachstums.de

Für Rückfragen und Interviews:

* Matthias Schmelzer, Attac Deutschland, Tel. (0176) 9901 0188
* Dr. Michael Dauderstädt, F.-Ebert-Stiftung, Tel. (0228) 883 8301
* Georg Kössler, Heinrich-Böll-Stiftung, Tel. (0176) 620 50750
* Stefan Thimmel Rosa-Luxemburg-Stiftung, Tel. (0176) 7052 4894
————————————————
Frauke Distelrath
Pressesprecherin Attac Deutschland
————————————————

 

face7bill 2

Eine interessante Seite von “National Geographic” zum Zustand der Welt. Sehr gut gemacht […hier].

>>>> dazu auch die Weltbevölkerungsuhr […hier]

face7bill 3

 

Patzen, abwiegeln, Kritik ignorieren – und das über Jahre hinweg: Der japanische Atomkonzern Tepco hat zahlreiche Skandale verschuldet. Viel geändert hat er an seinem Umgang mit Krisen nicht. Das Fukushima-Desaster ist jetzt der traurige Höhepunkt des Missmanagements.

>>>> Den vollständigen Artikel gibt es bei Spiegel-Online.

 

Die MindMap “ökosoziale Marktwirtschaft” steht im Materialpool zur Verfügung.

 

water_makes_moneyDie französischen Konzerne Veolia und Suez zählen zu den Großen im wachsenden Weltmarkt der privaten Wasserversorgung. Sie sind auf allen fünf Kontinenten präsent und kaum eine Woche vergeht ohne Neuerwerbungen. Doch ausgerechnet im Heimatland Frankreich verlieren sie jetzt an Boden. Anfang 2010 mussten beide Konzerne an ihrem Hauptsitz Paris die Wasserversorgung zähneknirschend an die Stadt übergeben und sich auch aus Rouen zurückziehen. Demnächst folgen wohl Bordeaux, Toulouse, Montpellier, Brest und andere Kommunen, die ihre Wasserversorgung wieder in die eigene Hand nehmen wollen. Die Dokumentation erklärt die Gründe für diese Entwicklung.

Private Konzerne versorgen rund 80 Prozent der französischen Bevölkerung mit Trinkwasser. Doch im ganzen Land schwindet das Vertrauen in ihre Seriosität, denn die Wahrheit über das Gebaren der Konzerne drängt an die Oberfläche: Wasserzähler werden dem Kunden faktisch doppelt berechnet, der Austausch von Bleileitungen erfolgt nur teilweise, dringende Reparaturen werden dem Verbraucher als Neuanschaffung in Rechnung gestellt. Inzwischen liegen die Wasserpreise bei privaten Betreibern in Frankreich um 20 bis 60 Prozent höher als bei öffentlichen Versorgern. Skandalös sind auch die üblichen geheimen Deals der Wassermultis mit den Kommunen: Der Konzern kauft sich bei der Gemeinde ein, um Wasser zu liefern oder Abwasser zu entsorgen. Diese 200 oder 300 Millionen Euro oder mehr gelten als Kaufsumme oder auch als Geschenk an die Kommune. Doch die Zahlung der Konzerne entpuppt sich dann als Kredit, der von den Wasserkunden über 20 oder 30 Jahre mit Zins und Zinseszins in dreifacher Höhe zurückgezahlt werden muss.
Beispiele in Frankreich und im deutschen Braunschweig machen ein System sichtbar, das den Wasserkonzernen erlaubt, ihren globalen Expansionskurs zu finanzieren – ein System, das inzwischen viele Franzosen motiviert, die Rückkehr zur kommunalen Wasserversorgung anzustreben.
Noch schockierender ist die Tatsache, dass in Frankreich die Ressource Wasser mittlerweile in einem bedenklichen Zustand ist. Dabei liegt die Lösung nah und ist absolut kostengünstig: die Ausweisung von Wasserschutzgebieten, auf denen nur Biolandwirtschaft erlaubt ist. Nur die Multis verdienen daran nichts. Zusätzlich würde ein sinkender Wasserverbrauch die Rendite der Konzerne schmälern. Aber in Frankreich wächst zusehends das Bewusstsein, die Melkkuh der Konzerne für ihre globalen Expansionspläne zu sein, und es baut sich eine Rekommunalisierungswelle auf. Und auch in anderen europäischen Ländern sowie in Lateinamerika, Afrika und den USA kommt es immer häufiger zur Rückkehr der Wasserversorgung in die Hände der Bürgerinnen und Bürger.

[Quelle: http://www.arte.tv/de/woche/244,broadcastingNum=1212648,day=4,week=12,year=2011.html]

 

auf

arte

Dienstag, 22. März 2011 um 20.15 Uhr

Wiederholungen:
24.03.2011 um 10:05
31.03.2011 um 14:45
Water Makes Money
(Deutschland, 2010, 75mn)

 

Dr. Hermann E. Ott (Leiter des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie) über die Demokratie und die Rolle der gesellschaftlichen Eliten bei der Bekämpfung des Klimawandels. Ott plädiert für einen neuen Gesellschaftsvertrag, wenn man innerhalb der nächsten 15 Jahre die notwendige Trendwende in der (Klima-)Politik schaffen will.

 

ard mediathek

[…Link]

Die Sendung der ARD solltet Ihr Euch anschauen …

Infotext der ARD: “Noch laufen die Ölpumpen im Takt, auch auf norddeutschen Feldern. Aber längst fördern sie viel mehr Wasser als Erdöl. Wie verzweifelt müssen die Konzerne sein, solche alten, erschöpften Vorkommen bis zum Anschlag auszubeuten? Ist das, was im Emsland und im Wattenmeer geschieht, Sinnbild für eine neue, drohende Ölkrise? ‘Bis zum letzten Tropfen’ ist eine spannende Spurensuche, die auf den Ölfeldern in Niedersachsen und auf der Bohrinsel Mittelplate in Schleswig-Holstein beginnt und bis nach Saudi-Arabien führt. Dort haben die NDR-Autoren Matthias Sdun und Jürgen Webermann unter anderem auf dem abgelegensten Ölfeld der Welt gedreht: Shaybah, in einem lebensfeindlichen Wüstenmeer gelegen, 400 Kilometer von der nächsten Siedlung entfernt. Dass Saudi-Arabien hier mit größtem Aufwand Öl fördert, ist für viele Experten ein Akt der Verzweiflung: Seit 40 Jahren haben die Saudis kein großes Vorkommen mehr entdeckt. Der Ölgigant im Mittleren Osten wankt. Die Welt hat bislang keine Alternative zum Öl. Sie ist abhängig wie ein Junkie von seiner Droge. 90 Prozent aller hergestellten Produkte basieren direkt oder indirekt auf dem Rohstoff. Und so liefert der Film verblüffende Erkenntnisse: Bei VW in Wolfsburg rechnen die Forscher damit, dass wir künftig mehr Fahrrad fahren müssen. Und ein niedersächsischer Landwirt befürchtet gigantische Engpässe in der Nahrungsmittelproduktion, sollte nicht mehr genug Öl für alle da sein. Seine Kernbotschaft: Wir müssen endlich aufwachen, um das Schlimmste zu verhindern! Denn die Zeit, uns auf die Ölkrise einzustellen, wird langsam knapp …” [Quelle: ARD]